Toxoplasmose bei Katzen - was gilt es zu beachten

Toxoplasmose ist eine Zoonose, das heißt eine Erkrankung, welche vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Die Toxoplasmose hat in der Humanmedizin vor allem während der Schwangerschaft eine Bedeutung, da eine Infektion mit Toxoplasmen je nach Schwangeschaftsstadium schwere Gehirnschäden des Kindes bis hin zum Tod nach sich zieht. Problematisch ist hierbei, dass infizierte Katzen nicht zwingend Erkrankungszeichen zeigen.

Ursache

Der Erreger der Toxoplasmose ist ein einzelliger Parasit, Toxoplasma gondii. Dieser Parasit ist in der Lage, nahezu alle warmblütigen Tiere zu infizieren. Derzeit sind allerdings einzig Katzen als Spezies bekannt, bei denen auch eine Ausscheidung der Vermehrungsstadien von Toxoplasma gondii mit dem Stuhl erfolgt.

Der häufigste Infektionsweg für die Katze ist der Verzehr von ungenügend erhitztem oder rohem Fleisch. Hieraus ergibt sich die logische Konsequenz, dass ein jagender Freigänger oder eine mit BARF-Ration gefütterte Katze ein weitaus höheres Gefährdungspotential besitzt. Eine rein mit kommerziellem Futter ernährte Wohnungskatze hingegen hat - so fern nicht gelegentlich beim Kochen Fleischreste verfüttert werden - absolut kein Risiko, sich eine Toxoplasmose einzufangen. Dementsprechend geht von so gehaltenen Katzen nahezu keine Ansteckungsgefahr aus.

Wenn eine Katze Toxoplasmencysten aufnimmt, werden sich diese zunächst im Magen-Darm-Trakt vermehren. Innerhalb der ersten 21 Tage nach Infektion ist eine Ausscheidung von infektiösen Parasitenstadien (Oocysten) möglich. Diese Oocysten versporen sich innerhalb von 24 Stunden und werden erst dann infektiös. Die Ansteckung erfolgt durch orale Aufnahme dieser Sporen - zum Beispiel durch den Verzehr von kontaminiertem Material, allerdings auch durch Stäube, bei denen die Sporen verwirbelt werden. Dies erklärt, waum man empfiehlt, dass Schwangere bitte nicht mehr die Katzentoilette reinigen.

Im Fleisch bleiben Toxoplasmen unter Kühlschrankbedingungen (bei 4°C) etwa 3 Wochen lebens- und infektionsfähig. Niedrige Temperaturen (-21°C) sowie Hitze (Räuchern, Herstellung von Brüh- oder Kochwurst bei 50°C für 20 Minuten) töten die Zysten ab.

Problematisch an der Situation ist, dass Katzen mit einer rein den Darm betreffenden Infektion zum einen zwar massiv Oocysten ausscheiden, zum anderen aber keinerlei Erkrankungszeichen zeigen.

Erkrankungsverlauf

Nach Infektion des Wirtes dringen die Sporozoiten der Toxoplasmen in die Darmwand ein und wandern über die Blut- und Lymphgefässe in verschiedene Organe. Besonders betroffen sind das Zentralnervensystem, der weibliche Geschlechtsapparat sowie das Auge. Hier vermehren sich die Parasiten weiter.

Etwa ab dem 10. Tag nach Infektion kommt es besonders in der Muskulatur, aber auch in Herz, Zwerchfell und Gehirn zu einer Zystenbildung.

Wie bereits oben erwähnt läuft die erste Erkrankungsphase allerdings meist ohne jegliche klinische Auffälligkeit. Nur in seltenen Fällen kommt es zu leichten Durchfällen. Gelegentlich treten Fieber oder Lymphknotenschwellungen auf. Auch die zweite Erkrankungsphase verläuft meistens ohne klinische Symptome. Wenn jedoch klinische Symptome auftreten, so können diese sehr vielgestaltig sein - von Durchfall über Husten und Fieber bis in zu Leberentzündungen oder Hirnhautentzündungen sind alle Erkrankungsverläufe möglich.

Bei vielen Katzen kommt es zur Ausbildung einer belastbaren Immunität. Die in den Geweben befindlichen Toxoplasmen-Zysten erhalten diese Immunität eine lange Zeit (eventuell durch stetige Re- und Superinfektionen sogar lebenslang) aufrecht. Diese Tiere weisen also im Blut einen Antikörperspiegel auf, scheiden allerdings in den meisten Fällen keine Oocysten mehr aus.

Problematisch ist hierbei allerdings, dass eine kurzfristige Aktivierung der Zysten mit begleitender Oocystenausscheidung bei chronisch infizierten Katzen im Rahmen einer Immunsuppression vorkommen kann - also auch zum Beispiel durch Medikation mit cortison-artigen Präparaten oder anderen Immunsuppressiva.

Behandlung

Die Behandlung der Toxoplasmose richtet sich rein gegen die im Darm befindlichen Toxoplasmen. Hierbei werden wirksame Antibiotika gegen diese Stadien über einen Zeitraum von 4 Wochen verabreicht. Aufgrund der langen Behandlungsdauer ergibt sich die Notwendigkeit, Oocysten im Stuhl nachgewiesen zu haben. Eine prophylaktische Verabreichung dieser Medikamente ist nicht gerechtfertigt.

Die nicht im Darm befindlichen Toxoplasma-Zysten sind NICHT BEHANDELBAR.

Infektionsrisiko für den Menschen

Problematisch bei der Bewertung des Infektionsrisikos für den Menschen ist, dass versporte Oocysten sehr widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen sind. In feuchtem Erdreich (Gartenerde, Spielsand in Sandkästen) bleiben sie etwa 18-24 Monate lebens- und infektionsfähig.

Daher ist zu bedenken, dass neben den bekannten zystenhaltigen Lebensmitteln (rohes Fleisch, Rohmilchprodukte) generell alle mit Erde in Kontakt stehenden Lebensmittel potentiell mit Toxoplasmen-Oocysten kontaminiert sein können. Daher sollten alle Obst und Gemüse vor dem Rohverzehr gründlich gewaschen werden.

Weiterhin ist zu bedenken, dass auch von Gartenerde oder Spielsand selber eine Infektionsgefahr ausgehen kann.

Weitere Informationen erhalten Sie in diesem Flyer vom Bundesinstitut für Risikobewertung

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