Schutzimpfungen

Das Thema Impfungen führt häufig zu kontroversen Diskussionen bei den Tierhaltern. Um Ihnen eine Hilfestellung zu geben, werden wir aus tiermedizinischer Sicht darlegen, warum Schutzimpfungen sinnvoll und zu empfehlen sind. Dabei beziehen wir uns auf die Leitlinien zur Impfung von Kleintieren der StIko Vet (Ständige Impfkommision Veterinärmedizin) am Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Die StIKo Vet wurde ursprünglich vom Bundesverband praktizierender Tierärzte ins Leben gerufen, um Tierärzten fachlich unabhängig und wissenschaftlich fundiert Leitlinien zum Thema Schutzimpfungen bei Kleintieren an die Hand zu geben. Bei der Ausarbeitung der Richtlinien sind ebenfalls das Paul-Ehrlich-Institut, die Bundestierärztekammer sowie die Deutsche Gesellschaft für Kleintiermedizin vertreten.

Viele Tierbesitzer stellen die berechtigte Frage, warum ihre Haustiere im Falle einer Infektion nicht tiermedizinisch behandelt und geheilt werden können, statt sie im Vorfeld zu impfen. Dies liegt darin begründet, dass es keine Medikamente gibt, die Virusinfektionen heilen können - der Krankheitsverlauf kann durch die medizinische Behandlung höchstens abgemildert werden. Im Falle einer bakteriellen Infektion ihres Tieres, wie beispielsweise der Leptospirose bei Hunden, kann die Krankheit bereits so weit fortgeschritten sein, dass eine lebensrettende Behandlung leider nicht mehr möglich ist.

Schutzimpfungen sind deshalb die sicherste Methode, um Infektionskrankheiten vorzubeugen.

Sie tragen dazu bei, die Gesundheit unserer Haustiere zu erhalten und zu fördern und spielen damit eine wichtige Rolle bei einem umfassenden Tierschutz.

Die StIKo Vet betont die Notwendigkeit einer umfassenden Grundimmunisierung für alle jungen Tiere in den ersten Lebensjahren und die regelmäßige, aber nicht zwangsläufig jährliche Wiederholungsimpfung in den folgenden Lebensjahren gegen die für das Tier relevanten Erreger. Die Devise lautet also: "So häufig wie nötig und so wenig wie möglich".

In der modernen Tiermedizin werden in der Regel Kombinationsimpfstoffe verwendet. Die Vorteile liegen darin, dass sie genauso gut verträglich und wirksam wie Einzelimpfstoffe sind und zudem die Anzahl der Injektionen reduzieren. An dieser Stelle ist es uns auch wichtig hervorzuheben, dass alle in der Praxis verwendeten Impfstoffe eine Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut haben müssen. Weiterhin gibt es eine gesetzliche Verpflichtung, Impfnebenwirkungen an das Paul-Ehrlich-Istitut zu melden. Aus genau diesem Grund ist die Verschwörungstheorie von den "Impfschäden", welche von "den Tierärzten" und "der Pharmaindustrie" vertuscht werden, nichts anderes als ein Mythos.l

Bei den Impfstoffen unterscheidet man zwischen aktiven und inaktiven Impfstoffen. Die lebenden abgeschwächten Erreger bei den aktiven Impfstoffen sind noch schwach vermehrungsfähig, können aber keine Erkrankung auslösen. Das Immunsystem erkennt diese Erreger und kann sie wirksam bekämpfen. Bei Hunden gehören Staupe, Parvovirose, Hepatitis contagiosa canis und Parainfluenza zu den Erkrankungen, bei denen ein aktiver Impfstoff verwendet wird. Bei Katzen sind Katzenschnupfen, Katzenseuche und Feline Infektiöse Peritonitis Beispiele dieser Art der Impfung.

Die inaktivierten Impfstoffe werden auch Totimpfstoffe genannt. Ein bekannter Totimpftoff ist Tollwut, der bei Hunden und Katzen Verwendung findet. Die Leptospirose beim Hund zählt ebenfalls zu den inaktivierten Impfstoffen. Bei Katzen werden sie gegen das Feline Leukosevirus und alternativ auch zu der lebenden, abgeschwächten Variante gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche angewendet.

Zu einem vereinbarten Impftermin gehört immer eine gründliche allgemeine Untersuchung ihres Haustieres, da wir nur gesunde Tiere impfen. Bei Symptomen wie Durchfall, Erbrechen, gestörtem Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit oder anderen Anzeichen, die auf eine Erkrankung hinweisen, würden wir die Impfung auf einen anderen Zeitraum verschieben und vorrangig die vorhandenen Symptome behandeln. Wenn der Körper ihres Vierbeiners aufgrund einer Erkrankung geschwächt ist, ist das Immunsystem ebenfalls angegriffen. Die Impfung erfordert aber ein "gesundes" Immunsystem, um den bestmöglichen Effekt erzielen zu können.

Als Begleiterscheinung der Schutzimpfung kann an der Injektionsstelle eine kleine Schwellung auftreten, die eventuell berührungsempfindlich und warm ist. Es handelt sich hierbei um eine normale örtliche Immunreaktion, die in der Regel nach wenigen Tagen von alleine verschwindet. Bei der Immunreaktion erkennt der Körper ihres Haustieres die Erreger und aktiviert das Immunsystem. Das Immunsystem löst eine Vielzahl von Reaktionen aus, um auf den Fremdstoff reagieren zu können. Es bilden sich Abwehrzellen, die einerseits direkt auf den Impfstoff reagieren und anderseits ein "immunologisches Gedächtnis" bilden, um auf eine mögliche spätere Infektion schneller antworten zu können.

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